Alte Fenster merkst du dreimal, nämlich an der Zugluft, an der Heizkostenabrechnung und am Lärm von der Straße. Trotzdem schieben die meisten den Tausch jahrelang vor sich her, weil niemand so recht weiß, was auf ihn zukommt. Dieser Ratgeber gibt dir realistische Preise, erklärt die Förderung ohne Amtsdeutsch und zeigt dir, woran du erkennst, dass deine Fenster wirklich fällig sind.
Was kostet es, neue Fenster einbauen zu lassen?
Wer neue Fenster einbauen lassen will, zahlt für drei Dinge, nämlich das Element selbst, den Ausbau des alten und die Montage. Für ein Standardfenster in üblicher Größe, also etwa 1,20 mal 1,20 Meter, kannst du mit diesen Spannen rechnen, jeweils komplett mit Einbau.
| Material | Kosten pro Fenster mit Einbau | Das spricht dafür |
|---|---|---|
| Kunststofffenster | ca. 700 bis 1.100 € | Der Preis-Leistungs-Standard, pflegeleicht und in jeder Optik erhältlich. |
| Holzfenster | ca. 1.000 bis 1.500 € | Natürliche Optik und gute Dämmwerte, braucht alle paar Jahre einen Anstrich. |
| Holz-Alu oder Aluminium | ca. 1.200 bis 1.900 € | Witterungsfeste Außenschale, innen wohnlich, die langlebigste Lösung |
Die Größe verschiebt diese Werte spürbar, denn gerechnet wird am Ende pro Quadratmeter Fensterfläche. Ein kleines Bad- oder Kellerfenster liegt deutlich unter der Tabelle, während ein bodentiefes Fenster oder eine Balkontür schnell das Doppelte bis Dreifache eines Standardfensters kostet. Wenn dein Haus mehrere große Elemente hat, rechne sie einzeln, statt mit einem Mittelwert über alle Fenster zu planen.
Für ein Einfamilienhaus im Main-Kinzig-Kreis mit zehn bis fünfzehn Fenstern landest du damit je nach Material meist zwischen 8.000 und 20.000 Euro. Sonderformen, Schallschutzverglasung und elektrische Rollläden kommen obendrauf, und im Obergeschoss kann ein Gerüst nötig werden. Wichtig beim Vergleichen ist, dass der Ausbau und die Entsorgung der alten Fenster im Angebot stehen, denn genau diese Posten fehlen in vielen Lockpreisen aus dem Netz.
Woran du merkst, dass es Zeit wird
Fenster halten je nach Material und Pflege dreißig bis vierzig Jahre, aber die wenigsten fallen von heute auf morgen aus. Sie werden schleichend schlechter, und diese vier Zeichen sind die zuverlässigsten.
Es zieht am geschlossenen Fenster. Wenn die Dichtungen spröde sind, hilft ein Austausch der Gummis manchmal noch. Zieht es aus dem Rahmen selbst, ist das Fenster durch.
Die Scheiben beschlagen zwischen den Gläsern. Feuchtigkeit im Scheibenzwischenraum bedeutet, dass die Isolierverglasung ihre Füllung verloren hat. Das Glas ist blind und dämmt kaum noch besser als eine Einfachscheibe.
Ein Fenster ist undicht oder klemmt dauerhaft. Verzogene Flügel lassen sich einmal einstellen. Wenn das Fenster danach wieder undicht wird, arbeitet der Rahmen, und daran ändert keine Justierung mehr etwas.
Deine Fenster sind älter als Ende der Neunziger. Verglasung aus dieser Zeit lässt rund dreimal so viel Wärme durch wie ein modernes Fenster. Den Unterschied bezahlst du jeden Winter mit.
Treffen zwei dieser Punkte zu, lohnt es sich, die Fenster erneuern zu lassen statt weiter zu reparieren, denn jede Justierung kauft dir nur noch Monate.
U-Wert und Verglasung, einfach erklärt
Der U-Wert beschreibt, wie viel Wärme durch das Fenster verloren geht, und je kleiner die Zahl, desto besser dämmt es. Zur Einordnung reichen drei Werte. Alte Isolierverglasung aus den Achtzigern liegt bei rund 2,8. Eine moderne Zweifachverglasung schafft etwa 1,1 bis 1,3. Eine Dreifachverglasung kommt auf rund 0,8 und ist damit der heutige Standard beim Neukauf.
Praktisch heißt das, dass die Dreifachverglasung fast immer die richtige Wahl ist, denn der Aufpreis zur Zweifachverglasung ist klein geworden, und nur sie erreicht sicher die Werte, die für die staatliche Förderung verlangt werden. Die Zweifachverglasung bleibt eine Option für unbeheizte Nebenräume und für denkmalgeschützte Fassaden, bei denen schmale Profile gefragt sind.
Welche Förderung gibt es beim Fenstertausch?
Der Staat fördert neue Fenster als Einzelmaßnahme der energetischen Sanierung, und du hast dabei die Wahl zwischen zwei Wegen, die sich nicht kombinieren lassen.
Der Zuschuss. Aktuell übernimmt die Förderung 15 Prozent der Kosten, mit einem individuellen Sanierungsfahrplan sogar 20 Prozent. Dafür müssen die neuen Fenster einen Dämmwert erreichen, den praktisch nur die Dreifachverglasung schafft, und der Einbau muss durch einen Fachbetrieb erfolgen. Die wichtigste Regel dabei lautet, dass der Antrag vor der Beauftragung gestellt sein muss. Andersherum funktioniert es nicht, und Ausnahmen gibt es dabei keine.
Der Steuerbonus. Alternativ kannst du neue Fenster steuerlich absetzen, und zwar 20 Prozent der Kosten verteilt über drei Jahre direkt von der Steuerschuld. Das lohnt sich für alle, die den Antragskram scheuen oder den Zuschusstopf verpasst haben, setzt aber ebenfalls den Fachbetrieb und ein selbst bewohntes, mindestens zehn Jahre altes Haus voraus.
Welcher Weg für dich mehr bringt, hängt von der Auftragssumme und deiner Steuerlast ab. Rechne beide einmal durch, bevor du bestellst, denn nachträglich wechseln geht nicht.
So läuft der Fenstertausch ab
So sieht der Weg aus, wenn du deine Fenster tauschen lässt, vom ersten Termin mit dem Fensterbauer bis zur Abnahme.
- Aufmaß vor Ort. Jedes Fenster wird einzeln gemessen, denn kaum eine Öffnung im Bestand ist wirklich rechtwinklig. Hier entscheidet sich die Passgenauigkeit.
- Bestellung und Lieferzeit. Jedes Fenster fertigt der Hersteller auf Maß, und je nach Material vergehen vier bis acht Wochen bis zur Lieferung. Diese Zeit gehört in jede Planung.
- Ausbau und Einbau. Der Tausch läuft Zimmer für Zimmer, ein einzelnes Fenster dauert wenige Stunden, ein ganzes Einfamilienhaus ein bis zwei Tage. Das Haus bleibt dabei bewohnbar.
- Abdichten und Anschließen. Der Monteur dichtet jedes Fenster umlaufend ab, denn die beste Verglasung nützt nichts, wenn Luft am Rahmen vorbeizieht. Danach richtet der Maler die Laibungen wieder her.
- Entsorgung und Abnahme. Die ausgebauten Elemente gehen mit dem Betrieb zur fachgerechten Entsorgung, und zum Schluss stellt ihr gemeinsam jedes Fenster einmal ein.
5 Spar-Tipps, die sich wirklich lohnen
- Alle Fenster auf einmal tauschen. Anfahrt, Gerüst und Baustelleneinrichtung fallen nur einmal an, und der Stückpreis sinkt.
- Standardmaße und Standardfarben wählen. Jede Sonderanfertigung verlängert die Lieferzeit und verteuert das Element.
- Förderung vor der Unterschrift klären. 15 bis 20 Prozent Zuschuss sind zu viel Geld, um sie an der Reihenfolge zu verlieren.
- Nicht am Einbau sparen. Ein mittleres Fenster perfekt montiert dämmt besser als ein Spitzenfenster mit Luftspalt.
- Nebensaison nutzen. Im Herbst und Winter sind die Montageteams deutlich besser verfügbar, und du sparst dir die Wartezeiten der Frühjahrswelle.
Häufige Fragen
Kann ich Fenster selbst einbauen?
Handwerklich begabten Menschen gelingt das am eigenen Haus durchaus, aber du solltest den Preis kennen. Die Förderung entfällt komplett, weil sie den Fachbetrieb voraussetzt, die Gewährleistung gilt nur für das Produkt und nicht für den Einbau, und die Dichtigkeit entscheidet über den ganzen Dämmerfolg. Beim wichtigsten Arbeitsschritt zu sparen ist selten ein Geschäft.
Kann man Fenster auch im Winter austauschen?
Ja, und oft sogar besser als im Sommer. Der Betrieb arbeitet sich Raum für Raum vor, jede Öffnung steht nur kurz offen, und die Montageteams haben in der kalten Jahreszeit mehr Luft im Kalender. Moderne Dichtstoffe verarbeiten Betriebe auch bei niedrigen Temperaturen.
Alle Fenster auf einmal oder nach und nach?
Wirtschaftlich spricht fast alles für den kompletten Tausch, von der Anfahrt bis zum Gerüst. Nach und nach lohnt sich nur, wenn das Budget es nicht anders hergibt, und dann am besten fassadenweise statt kreuz und quer, damit das Haus einheitlich bleibt.
Lohnt sich eine Dreifachverglasung im Altbau?
Ja, mit einer Einschränkung. Neue dichte Fenster in einer ungedämmten Fassade verschieben den kältesten Punkt des Raums vom Fenster an die Wand, und dort kann sich Feuchtigkeit niederschlagen. Regelmäßiges Lüften wird deshalb wichtiger als vorher, und wer ohnehin über eine Fassadendämmung nachdenkt, plant beides am besten zusammen.
Wie lange halten neue Fenster?
Kunststofffenster halten rund dreißig bis vierzig Jahre, Holzfenster bei guter Pflege ebenso lang, Holz-Alu-Konstruktionen oft darüber. Entscheidend ist weniger das Material als die Montage, denn ein verspannter Rahmen altert schneller als jedes Profil.
Fazit
Der Fenstertausch gehört zu den Sanierungen mit dem klarsten Gegenwert, denn du spürst ihn sofort an Ruhe und Wärme und jeden Winter auf der Abrechnung. Rechne mit realistischen Preisen statt Lockangeboten, sichere dir die Förderung vor der Unterschrift, und lass den Einbau von einem Fensterbauer machen, der für seine Montage geradesteht. Dann sind die nächsten dreißig Jahre erledigt, bevor der erste Frost kommt.
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